HSG verabschiedet sich mit einem hohen Sieg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rhein Zeitung   
Montag, den 18. Mai 2009 um 19:30 Uhr
Handball: 150 treue Zuschauer spenden den Spielern aus Mülheim, Kärlich und Bassenheim ein letztes Mal Applaus

HSG Mülheim-Kärlich/B. - Bad Blankenburg 44:34 (22:16)

MÜLHEIM. Adieu HSG. Fast 30 Jahre war die Handballspielgemeinschaft aus Mülheim, Kärlich und Bassenheim eine feste Handball-Größe im Rheinland, gestern spielten die Mülheimer ihre letzte Regionalliga-Partie auf heimischen Terrain. Mit einem 44:34 über Liganeuling HSV Bad Blankenburg verabschiedete sich die Gastgeber noch einmal standesgemäß von ihren treuen Zuschauer.

 


Der Mülheimer Tim Brandscheidt (am Ball) wird von der
Bad Blankenburger Abwehr in die Zange genommen - es war nicht
das einzige Mal, dass die Gäste kräftig zupackten.

Die HSG sagt leise Servus - so stand es in der Überschrift des Abschlussberichtes im Programmheft zur Information für die rund 150 Zuschauer, wie es künftig mit dem Handball in den Muttervereinen nach der Auflösung der Handballspielgemeinschaft weiter geht. Leise ging es auch zu Beginn des letzten Heimspieles zu. Kein großes Tam-Tam, kein Fanklub, keine Trommeln, die bedächtige Stimmung spiegelte den Wehmut über das Ende einer Ära wider, der sich in mancher Träne während der Standing Ovations nach dem Abpfiff ausdrückte.

"Die Zuschauer haben die Leistungen auf dem Feld mit dieser Geste noch einmal anerkannt. Ich möchte mich dafür bei jedem Anwesenden bedanken", sagte HSG-Trainer Hilmar Bjarnason. Bedanken taten sich auch seine Jungs, die ohne Keeper Tobias Arenz und Fabian Jung aufliefen und siegten. Auch wenn es nach Meinung Bjarnasons nicht das schönste Spiel war, so sah er doch viele gute Szenen auf beiden Seiten. Etwas drastischer formulierte es HSV-Trainer Hans Joachim Ursinus in seinem Abschlussplädoyer: "Der Spielverlauf kommentiert sich von selbst. Das war heute Not gegen Elend."

Der Eindruck könnte fälschen, hatte die HSG doch den etwas größeren Willen zum Sieg. Gegen gerade einmal neun Blankenburger behaupteten sich die Gastgeber durchweg und ließen zu keiner Zeit Ängste aufkommen, dieses Aufeinandertreffen mit dem Tabellenvierzehnten verlieren zu können. Für Unruhe sorgten eher die HSV-Akteure, die mit insgesamt zwölf Zeitstrafen negativ auffielen. "Ich glaube, in manchen Situationen kam der eigene Frust der Gäste heraus, dass die Saison nicht so lief wie es eigentlich sollte", suchte Bjarnason einen Erklärungsansatz für einige Szenen der Bad Blankenburger, die nicht viel mit Handballspielen zu tun hatten. In weiser Voraussicht ließ Ursinus zur Halbzeitpause einen seiner Torhüter ein Spielertrikot überstreifen, da unter anderem der HSV-Goalgetter Bergner (mit 15 Treffern bester Schütze) zu diesem Zeitpunkt schon doppelt vorbelastet war. Sein Instinkt bestätigte sich in der 47. Spielminute: Von einer eigenen Zeitstrafe noch nicht ganz abgekühlt, regte sich ein HSV-Spieler derart über eine Rote Karte eines Mannschaftsmitglieds auf, dass er noch während der Strafverbüßung eine weitere Hinausstellung kassierte. Somit standen für geschlagene 90 Sekunden nur drei Blankenburger Feldspieler auf dem Feld, einer weniger und ein Handballspiel wird abgebrochen. Das wäre aber sicher nicht im Sinne der HSG gewesen, die den letzten Heimabend im sportlichen Wettkampf erfolgreich abrunden wollte.

44:34, zum ersten Mal in dieser Saison knackten die Mülheimer selbst die magische 40er-Marke. Premiere in ihrer letzten Regionalliga-Saison als HSG, Schütze Christoph Räder darf gemäß den mannschaftsinternen Regeln den zweiten Kasten Bier bezahlen. "Die Höhe ist eigentlich zweitrangig, es gibt ja auch nur zwei Punkte dafür", bilanziert Bjarnason nüchtern. Es sind aber die zwei Punkte, die die Mülheimer für den sportlichen Klassenverbleib noch gebraucht hatten. Damit hat die HSG allen Kritikern vor der Saison getrotzt und das selbst gesteckte Ziel erreicht. "Für alles andere kann die Mannschaft nichts", sagt Hilmar Bjarnason. Robert Eifler

Mülheim: Oster, Mohr, Räder (3/1), Schäfer (7/1), Schlich (11/5), Brandscheidt (8), Stemann (3/2), Israel (10), Bjarkason (1), Woods, Kulaszewicz (1).